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Die Reise mit dem Glas. Ein Museumsrundgang

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Herzlich willkommen im Glasmuseum Frauenau! Zuerst ein Panoramablick, ein Ausschnitt aus der Reise mit dem Glas...
(Bild Tom Wundrak). Mausklick ins Bild vergrößert dieses! Sehenswert!

1. Erdgeschoss

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Noch ein Bild von Tom Wundrak.
Das Museum ist wirklich so schön!
(Mausklick vergrößert Bild)

Das Museum bietet dem Besucher auf zwei Geschossen eine Ausstellungsfläche von 1300 m2. Das Museum ist eine Einladung zu einer Reise zum und mit dem Glas - durch die Zeit und durch (vornehmlich) Europa.

Ein Erlebnis! Keinesfalls ein "typisches" langweiliges Aneinandergereihe von Gläsern. Nein, das Glasmuseum Frauenau macht Spaß.

Auch und gerade Kindern. Für die gibt es spezielle Angebote - fragen Sie an der Kasse danach.
 
Lassen Sie uns losgehen.
Aber erst einmal ein Überblick über das Erdgeschoss:

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Das Erdgeschoss.
Nehmen Sie sich etwas Zeit... Achtung, wir wir beginnen die Zeitreise!

Die Anfänge des Glases 

Sie wenden sich von der Kasse aus nach rechts und – stutzen...

Was haben die Anklänge ans Ishthar Tor (rechts; als Hinweis auf mesopotamische Kultur) oder an altägyptische Pharaonen (links; am Eingang zum Sonderaustellungs-Bereich) mit Glas zu tun? 

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So empfängt Sie die Reise mit dem Glas... Sie stehen ganz an den Anfängen - in Mesopotamien!

Nun, die Anfänge des Glases liegen vermutlich in Mesopotamien, wo es wohl als „Abfallprodukt“ beim Brennen von Keramik entdeckt wurde.

Der ägyptische Pharao Tutmosis III brachte Glasmacher aus Mesopotamien als menschliche Kriegsbeute nach Ägypten, wo in der Folge eine reiche und innovative Glastradition entstand.

Das Glasmosaik im Boden erinnert an Pompeji.

Vorsicht, manche Besucher stolpern, wenn Sie über diese blauen Glasmosaiken das Museum betreten. Der Boden ist absichtlich etwas "unrund" gelegt - als Stolperstein im wahrsten Sinne... und die Glasscheiben im Boden kann und soll man betreten - aber auch reinschauen.

Die Scherben im ersten "Loch" schlagen den Bogen zur Archäologie, die zerbrochene Scheibe im 2. "Loch" erinnert an die Legende zum ersten Glasfund an der Küste des Libanons.

In den Vitrinen (rechts im Gang) finden Sie wertvolle Exponate aus den ersten Anfängen des Glasmachens aus verschiedenen Regionen des östlichen Mittelmeeres von weit vor der Zeitenwende bis danach. Im Römischen Reich wurde aufgrund vorindustrieller Herstellungstechniken aus den vorher unglaublich kostbaren Einzelstücken erstmals preiswerte(re) Massenware.

Sie wenden sich nach links und stehen vor grünen Glassäulen.
Nanu???

 

Wege des Mittelalters

Diese Säulen stehen als Zeichen für den mittelalterlichen Wald Mitteleuropas am Eingang zum Bereich des mittelalterlichen Glases.

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Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches brach der Nachschub an Glas aus dem Süden zusammen. Nun hieß es für die aufstrebenden Klöster und Städte mit Kirchen und Kathedralen nördlich der Alpen, Glas aus neuen Quellen zu beziehen.
Natürliche Rohstoffvorkommen ermöglichten die Glasherstellung in den Urwäldern der Mittelgebirge. Quarzsand und Holz waren hier vor Ort. Damit waren wichtige Voraussetzungen für die Glasherstellung gegeben. 

In diesen Bereich gehört natürlich auch das große moderne „Kirchenfenster“ von Gerhard Ribka, das den Titel "Himmlisches Jerusalem" trägt
(das eindrucksvolle Foto wurde von Tom Wundrakzur Verfügung gestellt).

Bunte Fenster mit unglaublicher Strahlkraft lösten die Mauern der Kathedralen des Mittelalters mit fantastischen Glasbildern auf. Die Kathedralen des Mittelalters scheinen mit Licht und Glas gebaut, der schwere Stein tritt zurück.

Scherbengraben

Immer wieder stoßen Sie auf Ihrem Wege durch das Museum der ja gleichzeitig ein Weg durch Zeiten und Welten des Glases ist, auf diese verstörenden Scherben-gräben... (man kann sie gefahrlos betreten!). Sie stehen für Umbrüche in der Entwicklung (Europas/des Glases), die in der Geschichte natürlich immer wieder mit Kriegen verbunden waren.

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Das Licht der Renaissance

Im Europa der Renaissance besaß die Kaufmannsrepublik Venedig eine überragende Strahlkraft.

In Venedig verbanden sich strenge Ordnung und wirtschaftliche Macht mit Offenheit, Kunstsinn und Erfindergeist. Glasarbeiten aus Venedig waren hell und leicht, dünnwandig und filigran dekoriert, brillierten mit stilistischem Einfallsreichtum. 

Sie begeisterten die Menschen in ganz Europa und verdrängten andere Gläser fast vollständig vom Markt. "Facon de Venise" war in... Glashütten in ganz Europa versuchten den Stil nachzuahmen.

Seit 1925 war Glasmachern von Murano bei Strafe verboten ihr Wissen weiterzugeben oder gar auszuwandern. Es half nichts - das venezianische  Wissen um das Glasmachen verbreitete sich bald in ganz Europa.

Sie finden in diesem Bereich des Museums Beispiele für Gläser aus der Renaissance aus verschiedenen Gegenden Europas, natürlich auch aus Venedig resp. Murano.

Barocker Glanz

Foto: Tom Wundrak
Dann beherrscht plötzlich die Farbe Gelb den Raum des Museums.

Sie betreten den Bereich „Barocker Glanz“. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist die Renaissance ausgelöscht – und die Waldglasöfen auch. Langsam entstehen neue Zentren der Glasproduktion und neue Produkte.

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Ausschnitt aus einem Bild von Tom Wundrak (Mausklick ins Bild zeigt das vergrößerte Original)

An den Höfen Europas entwickelt sich sprichwörtliche "barocke Pracht". Die spiegelt sich natürlich auch im Glas wider. In Böhmen wird im Zusammenspiel von Glasmachern aus ganz Europa ein neues Glas entwickelt: Glänzend, farblos und – hart, besonders gut geeignet für eine neue Dekorationstechnik, den Glasschnitt. Mit dem Glasschnitt (= Schleifen) entsteht ein neues Handwerk und eine neue Mode. Und neue Produkte – schauen Sie mal an die Decke und bewundern den schönen Lüster! Ein typisches "neues" Produkt - für damals...

Große Spiegel sind eine weitere neue gläserne Mode dieser Ära.

Bügertum & Industrie

Wieder ist es ein großer europäischer Krieg, der eine Ära des Glases beendet: Napoleon betritt die Weltbühne. Sein europäischer Krieg führte zur Kontinental-blockade der Engländer (1806-1814), die den europäische Fernhandel - und damit die Basis der Glasproduktion - zusammenbrechen läßt und damit auch der Glashandel. 
 In der Folge erweist sich das Bürgertum als treibende Kraft beim Aufbruch in das Industriezeitalter.

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Foto Tom Wundrak

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Schauen Sie mal auf den Boden: Erinnern die eingelegten Metallbänder nicht an – ja, richtig: Einsenbahnschienen? Genau das sollen sie auch! Denn die Eisenbahn öffnet Zeit und Raum, Handelsraum!

In den Vitrinen, die auf den roten (Bahnsteigen?) Kästen stehen, finden Sie wertvolle Ziergläser aus Biedermeier, Historismus und Jugendstil ebenso wie preiswerte Massenprodukte für breite Käuferschichten.

Das Fenster WORK MONEY BREAD STRENGTH wurde von Mark Angus gestaltet.

Moderne Zeiten

Sie schlendern weiter, halten sich nach rechts. Sie gelangen in die „modernen Zeiten“.

In den Vitrinen linkerhand werden hervorragende Beispiele industriellen Glasdesigns aus Finnland, Deutschland und der Tschechoslowakei aus der Zeit zwischen den Weltkriegen des letzten jahrhunderts gezeigt. Die Stücke demonstrieren den Spagat, den die Glasmacher zwischen Kunst und Kommerz versucht haben.

Die älteren unter den Besuchern kennen das eine oder andere Stück sicherlich aus eigenem Besitz oder Erleben. 

Bevor Sie weitergehen sollten Sie sich etwas Zeit nehmen für den kleinen Raum (links) mit dem Fernseher. Hier läuft der Film "Glas" von Bert Hanstraad. Cineasten schnalzen dabei mit der Zunge, hat der Film doch 1958 den OSCAR als bester Dokumentarfilm gewonnen. Wirklich sehenswert.

Sie betreten den Raum durch eine Tür, eher ein Tor, das aus 8.000 Stücken des Glases „Neckar“ (das meistproduzierte Glas der Nachkriegszeit in Deutschland) gebaut wurde.  

Wenn sie den Raum wieder verlassen, stehen Sie vor Konstruktion, die an eine Rolltreppe erinnert – in den Vitrinen darin werden ebenfalls beispielhafte Stücke aus industrieller Massenproduktion  aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt - mit einem Wort "Kaufhausmassenware". Die "Rolltreppe" steht hier als Symbol für das Kaufhaus, in dem in dieser Zeit die Massen eingekauft haben. Und die Menschen kauften viel in dieser Zeit; schließlich mußten die Kriegsschäden ersetzt werden!

In den Vitrinen daneben finden sich handwerklich gefertigte Stücke aus regionalen Glasveredlungswerkstätten, von Glasveredlern, die nach dem Krieg aus Böhmen nach Bayern gekommen sind. Diese Menschen brachten unglaublich viel Know how in die aufstrebende Glasregion Bayerischer Wald. 

Damit sind Sie am Ende der (Zeit)Reise durch die Welt des Glases angelangt.

Unsere Empfehlung

Halten Sie sich jetzt rechts und erkunden Sie den sog. Inneren Kreis des Glasmuseums Frauenau - und erleben Sie auf 250 m² den Bereich Leben und Arbeiten mit Glas.

Die Ausstellungsstück sind aus verschiedenen Glashütten der Region zusammengetragen: 

Hüttenmeisterkammer aus der Ofenhalle der Regenhütte
Holz- und Eisenmodln aus Spiegelau
Gemengeschütten aus der Poschinger-Hütte
Gravurwerkzeuge
Kühlband von Eisch
Ofen aus Ludwigsthal

Hier steht auch das gläserne Herz des Museums - der gläserne Glasofen, der von den Künstlern Stefan Stangl und Hubert Stern gebaut wurde. Sie verwendeten Schamott-steine des Ofens in Ludwigsthal - teilweise verwendeten sie die Steine im Original, teilweise machten Sie Abgüsse für die gläsernen Wände des Ofens - ein echtes Highlight. Museumstechnisch, didaktisch und nicht zuletzt künstlerisch. Ein Muss! 

Nehmen Sie sich hier etwas Zeit, verweilen Sie am gläsernen Ofen ein wenig -
und lassen Sie Stimmung und Ästhetik auf sich wirken...

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Sammlung Kermer

Dann erwartet Sie  - um im Bild zu bleiben nach dem Inneren Kreis im äußersten Kreis die Fortsetzung der Reise mit dem Glas in Form der „Modernen Sammlung - Stiftung Wolfgang Kermer“ im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk . 

Dort, im Obergeschoss können Sie dann die Spezialbestände des Museums betrachten, das Schaudepot und die Sammlung der Bixl...

Aber zunächst wieder zurück zur Modernen Sammlung; sie beruht in weiten Teilen auf der Sammlung Kermer (W. Kermer war ein Kunstprofessor aus Stuttgart, der sich sehr für Glaskunst interessiert und eingesetzt hat).

Ergänzt wird dieser ansich schon grandiose Teil der Sammlung durch aktuell vom Museum erworbene Stücke.

Während die Sammlung Kermer die Zeit von 1960 bis 1980 kunsthistorisch so gut wie vollständig abdeckt, ergänzt die Museumssammlung die Zeit bis heute. Die Sammlung Kermer mit Ihren ca. 300 Exponaten erstreckt sich über zwei Geschosse.

Genießen Sie die Ausstellungsstücke "Stück für Stück" – entdecken Sie die sog. Studioglasbewegung (die ihren Anfang doch in Frauenau nahm) für sich. Alle wichtigen Glaskünstler von 1960 bis 1980 sind im Glasmuseum Frauenau mit ausgewählt schönen Exponaten vertreten. Es gibt weltweit kaum eine vergleichbare Sammlung! 

Auffällig sind die vier Glasköpfe an der Fensterfront.

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Es handelt sich um Werke des wohl berühmtesten Frauenauer Künstlers Erwin Eisch.

Von links nach rechts stehen da:

Alfons Hannes, Gründer des Glasmuseums Frauenau
Erwin Eisch selber
Thomas Buechner, Glaskünstler aus den USA (Namensgeber für "Toms Hall" in Frauenau)
Harvey Littleton, den Direktor des Glasmuseums in Corning, USA

Und wenn wir schon bei Auffälligkeiten sind - gleich daneben findet sich die Installation "Der Narziß", auch von Erwin Eisch.

2. Obergeschoss

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Die Exponate des Museums finden Sie im Obergeschoss; unter den hier vertretenen Künstlern sind insbesondere zu nennen:

Johannes Schreiter
Joachim Klos
Helga Reay-Young
Eva Vlasakova
Veronika Beckl
Sandra de Clerck
Hartmann Greb
Lucio Bubacco
Simone Fezer
Dale Chihuly
Pavel Jezek
Mark Bokesch-Parsons
Theo Sellner
Erwin Eisch

Eine wahrhaft imposante Zusammenstellung!

Im Obergeschoss finden Sie auch die wichtigen Ausstellungsbereiche

Schäfer-Stiftung
Hinterglasmalerei und
Studiensammlungen
Bixl (Schnupftabakgläser)

Zur Schaefer-Stiftung ist noch anzumerken, dass es zweimal jährlich sehenswerte Sonderausstellungen gibt.

Und wenn Sie das Museum jetzt verlassen, haben Sie evtl. eine interessante Sonderausstellung im Erdgeschoss verpasst.  Einfach mal umschauen oder fragen!
 

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Glasmuseum Frauenau
Am Museumspark 1
D-94258 Frauenau

Telefon: +49 (0) 9926 - 941020

Geöffnet
Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag von 10.00 bis 16.00 Uhr

 


Sie interessieren sich für Studioglas oder Glaskunst?

Dann probieren Sie doch mal die Links rechts aus - Sie finden interessante Websites arrivierter und junger Glaskünstler/innen...

Männerhaut - H v Ritterswürden - M Paukner -
K Büchler - R Metzger - A Wysocki - Galerie Herrmann - S de Clerck - W Skurk - T Boissel -
S Fezer - R Scholle - Crisch - S u U Precht - F Schulze - C Lopez - R Martinez